Irren ist menschlich, sagte der Rentner und beantragte Sozialhilfe!

Umfrageergebnisse spiegeln eine überwiegende Bevölkerungsmehrheit wieder, die von sich glauben, für ihre Altersversorgung hinreichend abgesichert zu sein. Das sind rund 70 % der Befragten. Nur 10 % der Befragten erkannten für sich eine zu geringe Altersversorgung und zeigten Handlungsbedarf auf. Nun weiß mittlerweile jeder, dass die tatsächliche Situation eher umgekehrt ist. Aber warum hat sich dieser Eindruck einer guten Altersversorgung so gefestigt?

Die persönliche Altersversorgung ist oftmals schlechter als gedacht.Vermutungen schlagen Realität

Natürlich kann man darüber spekulieren. Der Wunsch nach einer hinreichenden Altersversorgung hat sicherlich viele Väter. Allein Mutmaßung und Wunsch ausreichend vorgesorgt zu haben, geben das Gefühl von Wohlsein und beruhigt bei der Überlegung, vorhandenes Geld nicht anzusparen, sonder in den Konsum fließen zu lassen. Dies geschieht bisweilen unterbewusst aufgrund der Tatsache, dass der Nachbar diesen Konsum sehen kann. Eine gute Altersversorgung sieht man eben erst viel später, nämlich im Alter.

Auch wenn die zur Berentung anstehende Generation auf die vorangegangene Rentnergeneration schaut, gibt es unter diesen einige Rentenempfänger, die noch in den Genuss der bruttolohnbezogenen Renten kommen. Auch die Faktoren zur Berechnung der Rente waren eher günstiger für den „Altrentner“. Bei einer Betrachtung der Verhältnisse Bruttoeinkommen zur Rentenzahlung stand ehemals der Faktor 1:5. Das bedeutet, dass die Rente ca. 50 % des Bruttoeinkommens ausmachen konnte. Heute wird dieser Wert nicht mehr erreicht. Man spricht (je nach Rechenart und je nach Berücksichtigung der Geringverdiener-Renten) von ca. 40 % bis ca. 45 % des Bruttoeinkommens. Wer die Folgen dieser Zahlen nicht erkennt und keine Altersvorsorge betreibt, egal ob private oder betriebliche Altersversorgung , wird  mit Eintritt in das Rentnerdasein sehr wahrscheinlich von Armut begleitet sein. Näheres hierzu im Bericht “Vermeidung von Altersarmut”.

Mit der ersten Rentenzahlung kommt die Armut!

Natürlich ist eine solche Behauptung schnell einmal aufgestellt und wenn dann noch die„eigenen Interessen“ eine Rolle spielen könnten…. Deshalb zur Verdeutlichung ein kleiner Vergleich, bei dem die Wohnraumkosten berücksichtigt sind. Warum? Nun, jeder möchte doch wohl ein Dach über dem Kopf haben – auch als Rentner.

1. Beispiel (Angaben ca.)

Einkommen heute    entspricht     100 % Rente im 1. Rentenjahr     max. ca. 45 %
Nettoeinkommen    entspricht ca. 75 % Rente im 1. Rentenjahr    max. ca. 45 %
Wohnraumkosten Kostenansatz ca. 30 % Wohnraumkosten Kostenansatz ca. 30 %
Einkommensrest          ca. 52, 5 % Einkommensrest       ca. 31,5 %

 
Wenn der Leser diese Zahlen so nicht glauben möchte, nehmen wir doch die offiziellen statistischen Daten zur Hand und rechnen nochmals:

2. Beispiel: (Angaben ca., Werte für 2011)

Durchschnittseinkommen aller
Sozialversicherungspflichtigen /EUR
    32.085
mtl. 2.674
Durchschnittsrente aller
Sozialversicherungspflichtigen/EUR
14.761
mtl. 1.230
Netto-Einkommen (75 %) mtl.      2.006 Rentenzahlung        1.230
Wohnraumkosten 30 % (abzügl.)         602 Wohnraumkosten 30 % (abzügl.)           602
verbleibender Einkommensrest      1.404 verbleibende Rente           628

 
Zur Information: Der Eckregelsatz für die Höhe der Hilfe zum Lebensunterhalt beträgt derzeit 359,00 € .

Ganz besonders problematisch wird für viele Frauen das Rentnerinnendasein werden, denn die wenigsten Frauen haben mit einer eigenen Frauenrente für Ihre Altersversorgung Sorge getragen. Ihre eigene Altersversorgung hat gelitten,  z.B. durch die seinerzeitige Möglichkeit, Anwartschaften in der gesetzlichen Rentenversicherung abfinden zu lassen. Geringverdienereinkommen über viele Jahre oder 400 Euro-Jobs in und nach der Kindererziehung und Ehe führten nicht gerade zu auskömmlichen Rentensteigerungen. Die Frauen, die eine solche Sozialversicherungsvita haben, stehen im Alter, wenn kein sonstiger zusätzlicher Einkommensrückhalt gegeben ist, finanziell eher schlecht da.

Es gibt immer einen Grund, etwas nicht zu tun

Sicherlich gibt es auch bei Beginn der Rentenzeit entfallende Ausgaben, die es zu berücksichtigen gilt. Hierzu zählen Ausgaben, für die Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte, Berufskleidung, etc.. Natürlich sind auch weitere Faktoren zu berücksichtigen, aber ganz ehrlich: Wen retten in dem zuvor skizzierten Szenario die Kosten für die wegfallende Arbeitskleidung? Und ein Auto möchte, wenn es auch etwas kleiner wird, fast jeder Rentner fahren.

Wenn sich der Betroffene z.B. in der zuvor geschilderten Argumentation eine Hilfe sucht und entfallende Kosten ins Feld führt, ist die Wahrscheinlichkeit relativ hoch, dass er insgeheim bezüglich seiner Altersversorgung unsicher ist. Er sollte seinen Versorgungsstatus dringend prüfen. Denn vielleicht ist heute noch die Zeit und die Möglichkeit gegeben, zu reagieren und das Schlimmste abzuwenden.

Ohne Konsumverzicht häufig keine hinreichende Altersversorgung

An dieser Stelle kommt, das zeigt die lange berufliche Erfahrung, die Aussage: Man kann ja nicht nur für Versicherungen/ zum Sparen etc. arbeiten. Diese Aussage wird mit einem gerüttelt Maß an schlechtem Gewissen gefällt, weil insgeheim jeder spürt, dass etwas nicht in Ordnung ist.

Wenn der Spielraum für eine ansatzweise ausreichende Versorgung nicht oder nicht mehr gegeben ist, bleibt dem Betroffenen nur noch die Möglichkeit, durch Konsumverzicht finanzielle Freiräume zu schaffen. Ihr sorgenfreies Leben als Rentner oder Pensionär wird dann doch noch sichtbar und Ihr Nachbar ärgert sich unter Umständen, weil er lieber dem Konsum und nicht der Vorsorge genüge getan hat.

 

 

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