Lebensarbeitszeitkonto / Zeitkonto

Um eine bezahlte Freistellung finanzieren zu können, werden Arbeitszeit oder Arbeitsentgelt des Arbeitnehmers in einem Lebensarbeitszeitkonto oder auch Langzeitkonto angesammelt. Basis dafür ist das Gesetz zur sozialrechtlichen Absicherung flexibler Arbeitszeitregelungen (“Flexi-Gesetz”). Gerne stehen wir Ihnen als Ihr Versicherungsmakler bei einer Installation zur Seite.
Ergänzend zu diesem Thema ist auch auf das Altersteilzeitgesetz (AltTZG) hinzuweisen, das die Gestaltungsmöglichkeiten der Altersteilzeit regelt. Die beiden genannten Gesetzesgrundlagen regeln übergreifend das Handling von Lebensarbeitszeitkonten.

Das Lebensarbeitszeitkonto als Mittel der Wahl, um vorzeitige, bezahlte Freistellung realisieren zu können.Lebensarbeitszeitkonto – ein Begriff mit Verwechselungsgefahr

Neben dem Begriff des Lebensarbeitszeitkontos werden noch andere Begriffe wie Arbeitszeitkonto und Langzeitkonto genannt.
Die Arbeitszeitkonten erfassen die längerfristigen Zeitwertkonten als auch die kurzfristigen Gleitzeitkonten. Diese Konten fangen die Schwankungen der Arbeitszeit innerhalb eines Jahres auf und gleichen diese aus.  Zeitwertkonten die über mehrere Jahre laufen und  nicht die Zielsetzung haben eine länger dauernde Freistellung zu erlangen, werden als Zeitwertkonten oder Flexikonten bezeichnet. Oftmals behält sich der Arbeitgeber vor zu bestimmen, wie die Guthaben dieser Konten wieder abgebaut werden sollen. Ist eine adäquate Ausgestaltung dieser Konten vorgenommen worden, entfallen die sonst strengen sozialversicherungsrechtlichen Aufzeichnungspflichten.

Ist eine längerfristige und bezahlte Freistellung angestrebt (z.B. kurz vor der Pensionierung) wird auch der Begriff der Langzeitkonten/ Zeitwertkonten bemüht. So werden die Begriffe Langzeitkonto und Zeitwertkonto sinngleich verwendet.

Ein Mehr an Flexibilität durch das Lebensarbeitszeitkonto

Rund 2 % der in Deutschland ansässigen Betriebe nutzen für ihre Mitarbeiter die Möglichkeiten von Arbeitszeitguthaben. Mit diesen Lebensarbeitszeitkonten werden die Möglichkeiten eröffnet, bezahlte Freistellungen für  Pflegezeiten oder einen früheren Renteneintritt zu finanzieren. Der Gesetzgeber unterstützt diese Lebensarbeitszeitkonten durch die Gesetzgebung , dem Flexi II-Gesetz. Dieses Gesetz ist die Modifizierung des “Flexi-Gesetzes” von 1998, mit dem diese flexiblen Arbeitszeitregelungen erst möglich wurden.  Die derzeit noch geringe Nutzung der Möglichkeiten durch die Betriebe und Mitarbeiter liegt sicher neben der monetären Gründen auch an der Transparenz dieses Themas.

Flexible Arbeitszeit organisieren

Nie wurde so viel über die Neugestaltung der Arbeitswelt nachgedacht und gesprochen wie derzeit. Nicht zuletzt der demographische Wandel treibt uns um. Längere Arbeitszeiten sind der längeren Lebenserwartung und dem volkswirtschaftlichen Bedarf geschuldet.
Im Jahr 2009 hat der Gesetzgeber mit der Verabschiedung des Flexi II-Gesetzes (siehe auch BMF-Schreiben vom 01.01.2009) die Rahmenbedingungen für Lebensarbeitszeitkonten modifiziert. Lebensarbeitszeitguthaben/ Zeitkonten sind ein Instrument, um Flexibilität und Spielräume in der aktiven Lebensarbeitszeit zu schaffen und damit die Arbeitsorganisation (neu) zu gestalten.  Im Werben um die nun doch knappen Fachkräfte bieten solche Angebote Vorteile im Wettbewerb. Nebenbei wird die innerbetriebliche Flexibilität gesteigert.

Ein Angebot nicht nur für große  Unternehmen – aber wie funktioniert das?

In vielen Unternehmen gilt die 37,5 Stundenwoche – soweit die Theorie. In der Realität sieht es oftmals so aus, dass Mehrarbeit mit dem Gehalt abgegolten ist. Doch häufig fallen so viele Überstunden an, dass andere Lösungen gesucht werden.
Beim Lebensarbeitszeitkonto handelt es sich um eine Form der langfristigen Arbeitszeitflexibilisierung. Diese langfristigen Zeitkonten haben nichts mit den schon länger durch die Wirtschaft genutzten kurzfristigen Arbeitszeitkonten zu tun, die Arbeitsstundenüberhänge, meist bis zu drei Monaten, verwalten. Der Unterschied liegt eindeutig in der Langfristigkeit und der letztlichen Verwendung.  Die Verwendung ist, kurz ausgedrückt, die Ansammlung von Arbeitszeit und Arbeitsentgelt zur späteren Verkürzung der Lebensarbeitszeit mit  einem kalkulierten Einkommensersatz. Auch Modelle zur Überbrückung von Pflegezeiten sind über diese  Zeitkonten möglich. Leider lassen sich aus den derzeitigen Tarifverträgen keine tarifvertraglichen Leistungen verwenden. Dadurch ist es nur möglich  außertarifliche Leistungen in das Lebensarbeitszeitkontenmodell einzubringen. Wenn entsprechende Absprachen bestehen, können auch Sonderzahlungen (Urlaubs- und Weihnachtsgeld) verwendet werden.

Steigende Beliebtheit weil Arbeitgeber und Arbeitnehmer etwas davon haben

Das Modell erfreut sich steigender Beliebtheit, gerade im Mittelstand, weil es Arbeitgebern aber auch Arbeitnehmern Vorteile bietet.
Die Vorteile für den Arbeitnehmer liegen darin, das bei der Dotierung eines Lebensarbeitszeitkontos Sozialabgaben und Steuern (§ 38 Abs. 2 EStG) in der Ansparphase nicht fällig werden. Erst wenn das angesammelte Kapital ausgezahlt wird, müssen Abgaben gezahlt werden. Wenn man, natürlich nur nach vorheriger vertraglicher Vereinbarung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, das angesparte Guthaben des Langzeitarbeitskontos in eine betriebliche Altersversorgung einbringt und in Betriebsrentenansprüche umwandelt, erspart dies auch die Sozialabgaben. Die Zahlungen für das Lebensarbeitszeitkonto können flexibel gestaltet sein. Diese Flexibilität schließt auch den Zugriff auf das Zeitkonto ein, wenn z.B. ein Langzeiturlaub oder Teilzeitarbeit eingeplant ist.

Der Vorteil für Arbeitgeber liegt darin, dass zunächst kein Geld fließt. Das erhöht die Liquidität des Unternehmens. Ein weiterer Vorteil kann sein, dass das Unternehmen notwendige Rückstellungen in der Bilanz bildet und damit den Gewinn und die Steuerlast senken kann. Das Einbringen des Guthabens des Lebensarbeitszeitkontos in eine betriebliche Altersversorgung hat noch den innerbetrieblichen Vorteil, dass die damit verbunden Verwaltungsarbeiten auf einen Dritten, eine Versicherungsgesellschaft, übertragen werden können.

Lebensarbeitszeitkonto – was ist zu tun?

Die Vereinbarung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer ist die Grundlage eines Lebensarbeitszeitkontos. In dieser Vereinbarung erklärt der Arbeitnehmer, dass er Überstunden und eventuelle Sonderzahlungen in sein Lebensarbeitszeitkonto einbringt. Der Arbeitgeber erklärt, dass er die angesammelten Überstunden mit einem bestimmten Betrag vergütet.

Ist das Lebensarbeitszeitkonto steuerpflichtig?

Die Steuer auf das Guthaben des Lebensarbeitszeitkonto wird erst bei Auszahlung (Zufluss) § 38 Abs. 2 EStG fällig. Wenn der Mitarbeiter aus dem Unternehmen, das Träger des Lebensarbeitszeitkontos ist, ausscheidet und das Zeitkontenguthaben ausgezahlt wird, ist ein steuerpflichtiger Bezug gegeben. Ganz gespart werden können die Sozialaversicherungsbeiträge und Steuern, wenn das angesparte Guthaben in eine betriebliche Altersversorgung eingezahlt wird. Das setzt eine entsprechende Vereinbarung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer voraus (§ 7 Abs. 1a SGB IV) - diese Regelung gilt jedoch nicht mehr für Gesellschafter-Geschäftsführer, Vorstände von Aktiengesellschaften. Bei einem Ausscheiden wegen Arbeitgeberwechsel kann der Mitarbeiter das Guthaben seines Lebensarbeitszeitkontos auf ein neues Lebensarbeitszeitkonto übertragen lassen – vorausgesetzt das der neue Arbeitgeber ein entsprechendes Zeitkonto anbietet. In diesem Fall der Übertragung findet kein Zufluss statt und es fällt demnach keine Steuer an.

Was geschieht bei der Insolvenz des Arbeitgebers?

Diese Frage wurde durch das Sozialgesetzbuch geklärt. Es verpflichtet den Arbeitgeber die vom Arbeitnehmer eingebrachten Leistungen gegen eine Insolvenz/ Zahlungsunfähigkeit (§ 7 e SGB IV) abzusichern. Der Weg zur Insolvenzsicherung  bleibt dem Arbeitgeber weitgehend überlassen.  Der Markt bietet neben der Verpfändung von Vermögensgegenständen und der  Bankbürgschaft die Anlage der Arbeitgeberleistung auf einem Bank- und/ oder  Investmentskonto und in einer Rückdeckungsversicherung, die an den Arbeitnehmer verpfändet werden. Die wohl meisten Insolvenzsicherungen erfolgen aber über Bank-oder Investmentkonto und der Rückdeckungsversicherung, die jedoch an einen Treuhänder verpfändet werden (“Contractual Trust Arrangements” oder “CTA-Modell“). Diese Modelle der Absicherung von Lebensarbeitszeitkonten haben sich hauptsächlich im Mittelstand bewährt.  Nehmen Mitarbeiter das vom Arbeitgeber angebotene Lebensarbeitszeitkonto in Anspruch, wird für jeden einzelnen ein eigenes Konto eingerichtet. Bei sehr vielen Mitarbeitern, die ein Zeitkonto nutzen möchten, bietet sich ein Sammelkonto an.

Lebensarbeitszeitkonto und Sterbefall

Verstirbt ein Arbeitnehmer der ein Lebensarbeitszeitkonto nutzte, verfällt das Guthaben dieses Zeitkontos nicht.
Da hier Geldbeträge angespart wurden, darin sind auch Entgeltanteile beinhaltet, werden diese vererbt. Der Erbe muss dann natürlich den zugeflossenen Betrag individuell versteuern.

Die Installation von Lebensarbeitszeitkonten und die Verwaltung

Viele nach deutschem Recht in Deutschland zugelassenen Versicherer bieten Modelle an, die das Ansinnen und die Interessen der Arbeitnehmer, ebenso wie die der Arbeitgeber widerspiegeln. Individuell nach den Vorgaben können Modelle für Lebensarbeitszeitkonten dargestellt werden. Diese Modelle erstrecken sich auch auf die treuhänderische Verwaltung dieser Konten. Dadurch werden die Belastungen des Arbeitgebers durch zusätzliche Verwaltungsarbeit auf Dritte verlagert – zu marginalen Kosten. Gerne stehen wir Ihnen diesbezüglich für Ihre Fragen zur Verfügung.

Das Altersteilzeitgesetz – der gleitende Übergang in den Ruhestand

Arbeitnehmer können gleitend in den Ruhestand eintreten. Die Rechtsgrundlage hierfür ist das Altersteilzeitgesetz (AltTZG). Mit der Entscheidung zur Altersteilzeit planen Arbeitnehmer den Anfang vom Ende des aktiven Berufslebens. Hierbei muss natürlich das Einkommen attraktiv bleiben. Für den Arbeitgeber bietet das Gesetz eine interessante Möglichkeit, sein Personalmanagement zu gestalten. Bis zu 5 % seiner Belegschaft  können die Altersteilzeit einfordern.

Wer kann die Altersteilzeit in Anspruch nehmen?

Zunächst sei darauf hingewiesen, das grundsätzlich jeder Arbeitnehmer die Möglichkeit hat, das Altersteilzeitgesetz in Anspruch zu nehmen. Im ersten Schritt ist der gleichgerichtete Wille zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu erlangen. Denn beide Parteien müssen Ihre Zustimmung  zu einem Ausscheiden des Arbeitnehmers aus dem Arbeitsleben über die Altersteilzeit geben. Welche Voraussetzungen  dabei zu beachten sind und worauf Sie achten müssen – gerne stehen wir Ihnen für ein persönliches Gespräch zur Verfügung.

Die Altersteilzeit über das Blockmodell

Das sich bewährte Blockmodell fasst sich in zwei Hälften zusammen:  Der Mitarbeiter arbeitet in der ersten Hälfte seiner Altersteilzeit (Aktivphase) wie vor dem Beginn der Maßnahme. Er erhält während dieser Zeit die Hälfte seiner Regelbezüge. Zusätzlich erhält er den gesetzlichen Aufstockungsbetrag in Höhe von 20 % des Gehaltes zur Auszahlung. Hierzu können noch tarifvertragliche Zuschüsse fällig werden.
Mit Beginn der zweiten Hälfte der Altersteilzeit (Passivphase) bezieht er diese Einkommen weiter. In der Passivphase ist er von der aktiven Tätigkeit bei seinem Arbeitgeber befreit.

Lebensarbeitszeitkonto zur Finanzierung der Passivphase

In der Arbeitsphase wird ein Guthaben in Höhe des hälftigen Regeleinkommens angesammelt. Hinzu kommt der hierauf nicht abgeführte Arbeitgeberanteil am Sozialversicherungsbeitrag. Dieser angesammelte Betrag dient ab Eintritt in die Passivphase der Einkommenszahlung durch die ratierliche (monatliche) Auszahlung des Guthabens.

Es gibt einige wichtige und unbedingt zu beachtende Punkte!  Damit das bereits bekannte “Flexi-Gesetz” greifen kann, müssen die gesetzlichen Vorgaben für Wertguthabenvereinbarungen (Lebensarbeitszeitkonten) eingehalten werden. Was im Detail zu beachten ist und welche Gestaltungsformen möglich sind,  bieten wir Ihnen an, in einem persönlichen Gespräch mit uns zu erörtern.

Lebensarbeitszeitkonten/ Zeitkonten  sollen das Ziel der längerfristigen Freistellung von der Arbeitserbringung bezwecken. Die flexible Gestaltung von der wöchentlichen Arbeitszeit ist damit nicht gemeint!

Viele Themen – viele Fragen?

Viele Fragen sind beantwortet – aber auch viele Fragen sind noch unbeantwortet. Sie sind es gewöhnt, fachliche Fragen von Fachleuten beantworten zu lassen?!  Als Versicherungsmakler mit der speziellen Ausrichtung zur betrieblichen Versorgung, bieten wir Ihnen individuelle Lösungen für Ihre Fragen bezüglich des Lebensarbeitszeitkontos im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten an.

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